Er ist gütig zu denen die gütig sind. Er ist auch gütig zu denen die nicht gütig sind. Es ist die Güte der Handlung selbst. Er ist vertrauenswürdig denen gegenüber, die vertrauenswürdig sind. Er ist auch vertrauenswürdig denen gegenüber, die nicht ver-trauenswürdig sind. Es ist das Vertrauen der Handlung selbst.

Tao Te King (49:2)

Gedanken über Krebs

von Serge Kahili King
Mein jüngerer Bruder starb mit Anfang Dreissig an Krebs, und meine Mutter starb an Komplikationen im Zusammenhang mit Krebs, als sie über Achtzig war. Und ich habe vielfach die Gelegenheit gehabt, mit Menschen zu arbeiten, die an dieser Erkrankung leiden. In jedem Fall, mit dem ich vertraut bin und auch nach Ansicht medizinischer Fachleute, zeigt Krebs sowohl physische wie auch emotionale Aspekte. Die Intensität jedes dieser Aspekte kann den anderen ver. stärken, und die Heilung eines der beiden kann helfen, auch den anderen zu heilen.
Mein Bruder hatte Lungenkrebs. Er hat sehr viel geraucht und in seinem Leben gab es viel Stress. Ausserdem entsprach er dem Persönlichkeitsprofil für Krebspatienten, das Dr. David Kissen vom Southern General Hospital in Glasgow an fast 1000 Lungenkrebserkrankten beobachten konnte: Vor seinem 15. Lebensjahr starb ein Elternteil (unser Vater); es gab eheliche Probleme und
Frustrationen im Berufsleben. Natürlich haben sehr viele Menschen auch derartige Schwierigkeiten, aber was Dr. Kissen bezeichnend fand, war, wie viele der Krebspatienten darauf reagierten. Im typischen Fall haben sie Emotionen für sich behalten und das Vorhandensein von Konflikten verdrängt. Diese Beschreibung trifft jedenfalls ganz auf meinen Bruder zu.
Meine Mutter hatte Lungenkrebs. Auch sie hatte ihren Vater verloren, bevor sie 15 Jahre alt war, und auch sie erlebte ihren Teil an Eheproblemen und beruflichen Frustrationen. Und auch sie hielt ihre Emotionen unter Verschluss und verdrängte Konflikte. ähnliche Beziehungen zwischen Emotionen, dem Erlebnis von Verlust oder von Frustrationen und allen Formen von Krebs wurden in vielen medizinischen Studien vermerkt (zwei gute Quellen fuür derartige Informationen, falls noch erhältlich, sind die Veröffentlichungen Psychosomatics, von Howard R. und Martha E. Lewis [Pinnacle Books, 1975] und Who Gets Sick, von Blair Justice, Ph.D. [Jeremy P. Tarcher, 1988]).
Der rote Faden hinsichtlich emotionaler Reaktionen, der bei allen Krebsformen zu beobachten ist (und, vermute ich, bei allen Krankheiten), ist der erfolglose Wunsch, Erlebnisse in irgendeiner Form zu kontrollieren. Menschen versuchen, die verschiedensten Dinge zu kontrollieren. Einige versuchen, ihr eigenes Verhalten zu kontrollieren, andere wollen das anderer Menschen unter Kontrolle halten; die einen wollen Ereignisse in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft beherrschen; wieder andere wollen alles beherrschen. Es ist nicht überraschend, dass Krebs oft in Verbindung gebracht wird mit den Symptomen von Depression, allerdings ist nicht immer klar, ob die Depression mit dem Krebs zusammenhängt oder mit einem Lebensumstand, den dieser Mensch nicht beherrschen kann.
In meiner eigenen Erfahrung mit Krebserkrankten und deren Beobachtung habe ich festgestellt, dass die erfolgreichsten Heilungsprozesse vor allem die zu sein scheinen, die einhergehen mit grösseren Veränderungen im mentalen, emotionalen oder körperlichen Verhalten der betroffenen Menschen.
Was für einen schon eine grössere Veränderung sein mag, ist es vielleicht nicht für einen anderen Menschen. Manche Leute erreichen gute Ergebnisse, wenn sie ihren gesamten Lebensstil radikal verändern, wohingegen andere damit Erfolg haben, wenn sie endlich ein langjähriges Ressentiment vergeben können. Ich weiss von einem Erfolgsfall, in dem eine Frau ihre Familie verliess, sich einer anderen Religion zuwandte, ihre Kleidung und Ernährung änderte und in ein anderes Land zog. Vielleicht brauchte sie alle diese Veränderungen, vielleicht auch nicht, aber im Ganzen hatte sie damit Erfolg. Ich weiss von einem anderen Menschen, einem Mann, der einfach damit aufhörte, seinen Vater übertrumpfen zu wollen und das genau half ihm.
Mein Bruder hat jedoch seine Reaktionen auf das Leben nicht verändert. Und meine Mutter hat sich bis zum letzten Atemzug geweigert, Gefühle, die sie manchen Menschen jahrelang nachtrug, aufzugeben. Wenn du etwas verändern willst, dann musst du etwas ändern.
Immer, wenn wir versuchen, etwas mit mentalen, emotionalen oder physischen Mitteln zu kontrollieren oder erfolglos dabei sind, den Grad an Kontrolle auszuüben, den wir anstreben, erhöhen wir die Spannung in unserem Körper. Je öfter wir versuchen und versagen, desto mehr nimmt die Spannung zu. Nicht jeder entwickelt deshalb Krebs, denn das spezifische Resultat von zuviel Anspannung hängt von vielen genetischen, umweltbedingten und mentalen Faktoren ab, aber ich glaube, dass die Heilung von Umständen, die mit Kontrolle zu tun haben, bei der erfolgreichen Behandlung von Krebs ausserordentlich nützlich sein kann und wahrscheinlich auch bei allen anderen Lebensaspekten, die Heilung benötigen.
Das Bedürfnis nach Kontrolle beruht auf Angst, und Angst selbst wiederum erzeugt Spannung. Kontrolle ist daher einfach eine Methode, um Angst zu vermeiden. Vielleicht ist es ein guter Ausgangspunkt für den Heilungsprozess, wenn man mit dem Versuch aufhört, die Angst zu kontrollieren und stattdessen etwas unternimmt, um die Angstreaktion zu verändern.
Es ist eine erfahrbare Tatsache, dass du keine Angst verspüren kannst, wenn dein Körper völlig entspannt ist. Aber, obwohl es hunderte, wenn nicht tausende von Methoden gibt, um sich zu entspannen, wie Massagen, Meditation, Spiel, Gelächter, Kräuter, Drogen, etc., so wird dadurch nicht immer das Problem gelöst. Das wahre Problem liegt hinter der Anspannung und auch hinter der Angst. Das wahre Problem ist noch nicht einmal, dass etwas angsteinflössend ist. Das eigentliche Problem ist, dass du dich hilflos fühlst. Wenn dieses Problem gelöst ist, verschwindet die Angst (nicht der gesunde Hausverstand, nur die hilflose Angst) und damit der Kontrollzwang, und damit wiederum das Hauptvolumen an Anspannung.
Worüber ich also hier im Grunde spreche, ist Selbstvertrauen, aber nicht bezogen auf ein spezifisches Talent, Geschicklichkeit oder Verhalten, Erfahrung oder Wissen. Viele Lehrer und Kaufleute bieten Methoden an, um sich dieses Vertrauen anzueignen und auch meine eigenen Arbeiten enthalten viele diesbezügliche Ideen; statt also eure Möglichkeiten einzuschränken, indem ich eine bestimmte Methode vorschlage, will ich nur zwei hawaianische Begriffe für Vertrauen mit euch teilen, deren ursprüngliche Bedeutung vielleicht in die richtige Richtung weisen:
Paulele - "höre auf, herumzuhüpfen"
Kanaloa - "ausgedehnte Ruhe" Meines Wissens gibt es keine schnelle und einfache Methode, diese Art Selbstvertrauen zu erzeugen. Es bedarf inneren Bewusstseins und einer oder diverser interner Entscheidungen, aber selbst das wird nur funktionieren, wenn es dazu führt, dass man auf das Leben anders antwortet.

"Ohne zu urteilen, und dennoch voller Klarheit, das ist die rechte Beschreibung der Meditation."

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